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"Projekt Paritätischer Präventionskoffer"

  • Autorenbild: Frederick Lüke
    Frederick Lüke
  • 19. März
  • 2 Min. Lesezeit

Ein roter und ein blauer Koffer zogen schon zu Beginn unseres vierten Fachgesprächs zum gelingenden Kinderschutz die Blicke der Teilnehmer*innen auf sich. Die beiden Gepäckstücke gehörten unserer Referentin Johanna Löw vom Paritätischen NRW. Gemeinsam mit Isa Dvorak (Sexuelle Bildung für die Evangelische Jugend in NRW) und Dr. Nadine Jastfelder, Leiterin der Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt NRW, berichte sie zu unserem Thema „Sexualpädagogik als Kinderschutz“.


"Nur wer Bescheid weiß, kann auch Bescheid geben"

 

Nadine Jastfelder betonte die Wichtigkeit der Verschränkung von Sexueller Bildung und der Prävention sexualisierter Gewalt. „Nur wer Bescheid weiß, kann auch Bescheid geben“, erklärte sie. Sexuelle Bildung beginnt nicht erst in der Pubertät, sie ist von Anfang an Bestandteil frühkindlicher Bildung und sie hat mit Sexualität von Erwachsenen nichts gemein. Pädagogische Fachkräfte müssen für Kinder ansprechbar sein und deren Fragen beantworten können, weshalb eine Fortbildung so wichtig ist.


Bei "Vermeidung" allein gelassen

 

Isa Dvorak erläuterte die Themen der Sexualpädagogik: „Körper, Identität, Orientierung und Begierden, Beziehungen – das sind die big four der sexuellen Bildung“, machte sie deutlich. Dabei gilt es die Gestaltungsformen zu unterscheiden: Bei „Vermeidung“ werden Kinder und Jugendliche allein gelassen, bei „Reduktion“ handelt es sich um eine einseitige Sexualpädagogik zur Gefahrenabwehr, aber erst bei „Ganzheitlichkeit“ erleben die Kinder und Jugendlichen Begleitung, Förderung, Beteiligung und Schutz.


Zehn Koffer reisen durch 1772 Kindergärten

 

Vor zwei Jahren entstand das Projekt, aus dem die beiden großen Koffer hervorgingen, die Johanna Löw mitbrachte -  das „Projekt Paritätischer Präventionskoffer“. „Ich habe oft erlebt, dass Kinder keine Worte haben, um zu beschreiben, was mit ihnen passiert ist“, so Löw. Die Kofferinhalte sollen abhelfen: Der blaue enthält Materialien zur sexuellen Bildung und im roten Koffer geht es um Gefühle, Grenzen und Gewalt. Die Leitfigur „Ottilie“ führt durch die Kofferinhalte und das ist nicht nur für die Kinder hilfreich. Denn grade an Fachkräfte richten sich Notfallmappen mit Handlungsempfehlungen für Schutzmaßnahmen. Insgesamt zehn Koffer reisen durch die 1772 Kindergärten in NRW, die Mitglied im Paritätischen sind. „Wir laden ein, auch etwas in den Koffer hineinzupacken, nämlich die Best Practise-Beispiele“, erklärte die Referentin.

 

Kinderschutz gehört in die Ausbildung der Fachkräfte


Die Idee mit den Koffern wurde auch schon an anderen Stellen umgesetzt, wurde in der anschließenden Diskussion deutlich. Zudem wurde noch eine andere Forderung laut: „Wir brauchen die Rückenstärkung durch die Politik“, erklärte Isa Dvorak. „Wir können nicht verhindern, dass das Thema in den Schmutz gezogen wird. Ich schätze sehr, dass wir beim Kinderschutz den Schulterschluss aller demokratischer Fraktionen üben. Wir formulieren deutlich, dass wir solche Dinge nicht mittragen“, lautete meine Antwort. Unser Fazit: Wir brauchen Argumentationsstrategien in den Kitas und der Kinderschutz gehört viel stärker in die Ausbildung der Fachkräfte. Und leider benötigen wir auch Schutzmechanismen für die Pädagoginnen vor Ort, die sich dem Druck einiger Eltern nicht beugen dürfen oder „lieber nichts machen“. Mein Tipp: Politiker, Träger und Fachkräfte zum Austausch einladen oder auch mit einer Demonstration Sichtbarkeit herstellen. Denn ich sehe es als meine Aufgab an, hier den Finger in die Wunde zu legen.


Fortsetzung folgt

 

Die Reihe der Fachgespräche wird fortgesetzt: Am 17. Juni geht es um kindgerechte Justiz und am 30.9. um Netzwerkarbeit.

 
 
 

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